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Guten Tag <<Vorname (Optional)>> <<Nachname (Optional)>>,

in dieser Woche erhielt ich mal wieder einiges an liebenswürdiger Post. Jemand meinte, das MT sei in Sachen Corona-Berichterstattung tendenziös. „Staatlich gesteuert“, meint jemand anderes. Es sei nichts als Panik zu lesen, meint eine Dritte mitteilen zu müssen.

Ich weiß nicht, wie sehr das für die Leser unserer Texte deutlich wird (bitte antworten Sie mir gerne auf diese Mail, wie Sie das sehen), aber unser redaktioneller Kurs ist ein anderer. Wir bemühen uns, gerade keine Panik zu verbreiten. Ja, wir nennen die tägliche Entwicklung der Zahlen – und einige Leute melden zurück, dass sie allein das schon als Panikmache empfinden würden.

Das sehe ich anders. Man stelle sich vor, wir würden die Zahlen nur ein, zwei Mal in der Woche vermelden. Die Mehrheit würde trotzdem wissen wollen, wie sich die Lage entwickelt. Alles andere als der tägliche Blick auf die Situation empfände ich als merkwürdig und auch falsch, denn ein Medium wie wir es sind, informiert nun einmal über das tägliche Geschehen. Und ja, natürlich vermitteln wir auch einen Überblick über das, was gerade erlaubt ist und was nicht, also die Corona-Regeln. Diese aufzuzeigen, damit jeder und jede weiß, was er oder sie zu tun oder zu lassen hat, halten wir für einen wichtigen Service. Der ist allerdings nicht damit gleichzusetzen, dass wir, nur weil wir diese Regeln darstellen, von deren Sinnhaftigkeit überzeugt sind.

Ich persönlich halte beispielsweise den Lockdown von gastronomischen Betrieben für einen erheblichen Fehler. Nirgendwo habe ich mich innerhalb der zurückliegenden Monate sicherer gefühlt als in Restaurants. Die Gastwirte waren meinen Erfahrungen zufolge umsichtig, bemüht, verantwortungsbewusst. Da kann ich nicht so recht erkennen, warum dieser Einschnitt in diesem Bereich sein und nun auch noch verlängert werden musste.

Weil die Redaktion eben nicht bloß den staatlichen Maßnahmen hinterherhecheln will, auf der anderen Seite allerdings auch durchaus die Gefahr der Pandemie ernst nimmt, ist es uns wichtig, besonders den ausgewogenen Stimmen Raum zu geben. Empfehlen möchte ich deshalb nochmals das Interview von MT-Redakteurin Christine Riechmann mit Peter Witte, Mindener Arzt und Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene an den Mühlenkreiskliniken (zum MT-Interview).

Er vertritt eine angenehm ausgewogene Position zwischen Ernstnehmen des pandemischen Geschehens und einem kritischen Blick auf den staatlichen Maßnahmenkatalog. Und er sagt so herrlich nüchterne Dinge wie: „Natürlich, man muss gegen Covid vorgehen, aber man muss auch Vernunft walten lassen.

Das, was jetzt im Moment mit dem Lockdown läuft, hat einen Effekt allein durch die Kontaktbeschränkungen, aber wir werden im Dezember nicht entscheidend besser dastehen als heute. Man wird das Geschehen ein bisschen einbremsen, aber man muss einfach auch weiterdenken. Man muss die nächsten Monate denken und nicht glauben, man ist im Dezember mit der Inzidenzzahl unter 50, das glaube ich nicht. Das wird nicht so sein. Man muss weiterhin mit dem Virus leben, man muss es akzeptieren und eine langfristige Strategie entwickeln.“

Das Verlangen nach Nüchternheit und Ausgewogenheit kann ich bestens verstehen – auch und gerade in einer so belastenden Situation wie einer Pandemie. Wofür ich allerdings gar kein Verständnis habe, ist das Bagatellisieren, das einige lautstark betreiben. Wie gesagt: Es gibt gute Argumente dafür, die staatlichen Maßnahmen in ihrer Schärfe zu kritisieren. Aber muss man dann gleich auf der anderen Seite vom Pferd fallen und so tun, als wäre nicht mehr als eine Grippe im Gange?

Das Eine ist so gefährlich wie das Andere. Denn es gibt zahlreiche Parameter, die zeigen, dass niemand um die Erkenntnis herumkommt, dass sich die Situation zuspitzt. Das erleben wir in der Redaktion ganz deutlich. Vom Rettungsdienst hören wir, dass die Zahl der Krankentransporte sehr viel höher ist als gewöhnlich. Privatpersonen berichten, dass sie nicht im Krankenhaus aufgenommen wurden, weil es dort deutlich voller ist als sonst. Ein Arzt erzählte mir bei einem privaten Zusammentreffen, dass er empfehlen würde: „Jetzt lieber nicht mehr krank werden, es wird so langsam eng.“ 15 Minden-Lübbecker Covid-Patienten liegen auf der Intensivstation – neun werden beatmet (so viele waren es bisher nie).

Das alles sind aus meiner Sicht faktische Anzeichen für eine sich nicht entspannende Situation. Wegen der muss man keine Panikattacke bekommen. Aber so tun, als wäre nichts, ist weltfremd.

Die Millionen-Spende

Das Riesengeschenk der Edeka Minden-Hannover an die Stadt Minden (zum MT-Artikel) war in dieser Woche eine große Überraschung und Freude. Das ist nun wirklich nicht alltäglich, dass ein Unternehmen sich zu so einem Schritt entscheidet. Statt einer Million Euro hätte die Edeka ja auch 100.000 Euro spenden können. Das wäre immer noch viel gewesen. Eine Million Euro ist wirklich eine Ansage!

Es wäre unangebracht, daran Kritik zu üben. Und ich habe auch gar keine Kritik anzubringen. Es ist vielmehr eine Frage, die in mir gewachsen ist, nachdem ich den Text über die Spende gelesen hatte. Eine Frage, die mein inneres Ohr so deutlich vernommen hat, dass ich sie mit Ihnen teilen möchte. Die gleichzeitig aber so vage ist, dass ich weit davon entfernt bin, eine Antwort formulieren zu können.

Die Frage lautet: Wie stark ist ein Staat (oder wahlweise in diesem Fall eine Stadt Minden), wenn sein (ihr) Fortkommen beispielsweise in elementaren Fragen der Digitalisierung von Unternehmensspenden abhängig zu sein scheint? 800.000 Euro der Million sollen in die Ausstattung von Schülern mit digitalen Endgeräten für den Unterricht fließen. Das ist schön und hilfreich, deckt aber auch eine dahinter liegende Ebene auf, die nicht auf den ersten Blick erkennbar ist: Bisher war es der Stadt nicht möglich, diesen Schritt zu gehen. Mir macht das etwas Sorgen. Denn über nur dieses eine Steinchen hinaus deutet sich ein Mosaik an, das besagt: Deutschland und die Digitalisierung – das ist keine Erfolgsgeschichte.

Und dieses Mosaik wiederum ist Teil eines noch größeren Bildes: Mein Eindruck ist, dass der Staat es immer nötiger hat, dass ihm von Wirtschaftsunternehmen auf die Sprünge geholfen wird. Was wiederum zur Folge hat, dass Abhängigkeitsverhältnisse entstehen, die der Trennung zwischen Staat und Wirtschaft abträglich sein könnten. Denn wie will ein Staat im Zweifel eine Wirtschaft in den Griff bekommen (siehe VW-Skandal), von deren Zuschüssen er abhängig ist.

Wie gesagt: Es ist eher eine Frage – ob es so ist und, wenn ja, welche Folgen das hat. Vielleicht sehen Sie es ja ganz anders, dann antworten Sie gerne direkt per Mail auf diesen Newsletter!

Was in den nächsten Tagen wichtig wird

Die Nachverfolgung der persönlichen Kontakte ist eine der wichtigsten Aufgaben im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. Im Kreis-Gesundheitsamt beschäftigen sich 35 Mitarbeitende damit. Kollege Sebastian Radermacher hat einen Einblick in ihre Arbeit erhalten.
 
Schwere Kost: Die Diakonie hat die Voraussetzung für die Nutzung ihres sozialen Mittagstischs geändert. Das ärgert langjährige Besucher, die nun keine vergünstigten Mahlzeiten mehr bekommen.
 
„Ich bin kein flauschiger Typ“: Professor Dr. Wolf-Dieter Reinbold kam 1989 als einer der jüngsten Chefärzte in Deutschland als Radiologe ans Mindener Klinikum. Mitte dieses Jahres ging er in Ruhestand – was im Corona-Trubel etwas untergegangen ist. Im Gespräch mit Monika Jäger hat er auf einen Weg zurückgeschaut, der von zahlreichen Veränderungen geprägt war.
 
Lockdown, Jobverlust, Proteste – die Corona-Pandemie begleitet seit Monaten den Alltag und ist eine Belastung für die Psyche. Wie geht es den Menschen damit? Im MT-Interview erzählt die Psychologin Dr. Silke Telkemeyer, dass der Bedarf an Behandlungsplätzen deutlich gestiegen ist. Und sie verrät im Gespräch mit MT-Redakteurin Malina Reckordt, was helfen kann, um gut durch die Krise zu kommen.
 
Nach der schmusigen ersten Ratssitzung der neuen Wahlperiode geht es in Petershagen jetzt mit den Ausschüssen weiter. Erstmals tagt der Infrastrukturausschuss, der die Ratsarbeit entzerren soll und bisherige Aufgaben des Bau- und Planungsausschusses übernehmen wird. Wie das genau aussieht, wird in der ersten Sitzung laut Tagesordnung vorgestellt.
 
Thema wird – übrigens nach einem Leserhinweis, über die wir uns immer freuen (Mail an lokales@mt.de reicht) - auch die vor anderthalb Jahren abgeschaffte Elektroschrottsammlung in Petershagen sein. Wie kommt es in der Bevölkerung an, den Schrott zur Pohlschen Heide zu fahren?
 
Nach dem Lkw-Unfall in der Twellsiekstraße in Holtrup werden alte Forderungen wieder laut: Damit sich nicht immer wieder schwere Lastwagen in die Wohngebiete rund ums Gewerbegebiet verirren, sollen nach Wunsch vieler Lokalpolitiker die Straßen für 40-Tonner gesperrt werden. Außerdem führen offenbar immer noch verschiedene Navigationsgeräte die Fahrer in falsche Straßen. Ob es dafür eine gute Lösung gibt? MT-Redakteur Thomas Lieske hakt nach.
 
Wo bei anderen der mobile Klauenpfleger kommt, erledigt Landwirtin Tabea Wangenroth das auf ihrem Hof in Hille selbst. In unserem vorletzten Teil der Jahres-Landwirte-Serie „Stallgeruch“ es um Pflege für die Tiere. Kollegin Stefanie Dullweber war dabei.

Bis nächste Woche
Ihr Benjamin Piel


Sollte bis dahin etwas sein, schreiben Sie mir gerne eine Mail an postvonpiel@mt.de
 

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