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Minden-Lübbeckes Landrätin Anna Bölling (CDU) steht unter Beobachtung. Einerseits ist das eben so. Wer irgendwo neu ist, wird entsprechend neugierig beäugt. Damit meine ich eine offene Neugier, die spannend beobachtet, was jemand tut, der eine Aufgabe übernimmt. Gespannt und offen für Veränderung schauen viele Menschen im Kreisgebiet auf das Wirken der Landrätin. So jedenfalls habe ich das innerhalb der zurückliegenden Wochen und Monate wahrgenommen und in Gesprächen auch immer wieder gehört.

Wie wird sie das Amt mit Leben füllen? Was wird sie anders machen als Vorgänger Ralf Niermann (SPD)? Der galt nicht gerade als jemand, der die Menschen für sich und seine Ziele gewinnen konnte. Er war sehr bürokratisch unterwegs, ein Verwaltungsmann, der das Gesetz kannte, aber darüber manchmal vergaß, dass Paragraphen das eine, aber Menschen das andere sind. Insofern ist der Wunsch groß – und übrigens der Vertrauensvorschuss meiner Wahrnehmung nach ebenso –, die „Neue“ möge es anders machen, möge sich nicht hinter Akten verschanzen, sondern den Menschen offen und zugewandt entgegentreten.

Anna Bölling wirkt wie eine, die das nicht nur sagt, weil es ihr nützt, sondern die die Begegnung mit Menschen auch kann, will, vielleicht sogar braucht, weil sie nun einmal so gestrickt ist. Sie wirkt nicht wie eine, deren größter Genuss es ist, sich hinter die schalldicht geschlossene Tür ihres Amtszimmers zu begeben und vor sich hin zu verwalten. Sollte diese Annahme korrekt sein, ist das gut so.

Es gibt allerdings ein Aber. Denn neben der tatsächlich gegebenen charakterlichen Konstitution hat Böllig das Thema Offenheit natürlich auch im Wahlkampf eingebracht. Und wie. Transparenz, Zugewandtheit und das Einbeziehen der Bürger waren ihre Wahlkampfthemen schlechthin. Das war doppelt geschickt. Zum einen, weil sie diese Rolle persönlich gut, echt und überzeugend ausfüllen konnte. Ihr starkes Wahlergebnis dürfte damit in ursächlichem Zusammenhang stehen. Aber auch, weil sie sich auf diesem Weg nicht nur bestimmt von ihrem Vorgänger absetzen konnte. Sondern auch von dessen Partei, der SPD, die es verpasst hatte, sich von Niermann loszusagen, um so nicht von dessen in der Bevölkerung unbeliebter Art der Amtsführung belastet zu werden. Was seine Partei verpasste, fiel Kandidat Ingo Ellerkamp zentnerschwer auf die Füße. Schlecht für ihn, gut für Bölling.

Doch über den Moment des Wahlsiegs hinaus, werden ihre Versprechen von Offenheit und Transparenz auch für sie eine Bürde sein. Was auch immer sie tut, wird sich stets an der dutzendfach geäußerten Transparenzgarantie messen lassen müssen. Das kann gelingen, wenn Bölling konsequent einlöst, was sie versprochen hat. Es kann aber auch schiefgehen, sollte sich zeigen, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, den Gedanken des Einbeziehens der Bevölkerung mit dem Gedanken von so etwas wie dem Datenschutz oder der Vertraulichkeit in Einklang zu bringen. Ihr Versprechen wird Bölling einerseits als berechtigter Anspruch von Bevölkerung und Presse begleiten. Andererseits aber auch als Mittel, das ihre politischen Kontrahenten gegen sie ins Feld führen können. Frei nach dem Motto: „Sie hatten doch Offenheit versprochen… - aber so?!“

Das ist nun zum ersten Mal passiert. Bölling hat einen Parteifreund und Funktionsträger in der Jungen Union zum kommissarischen Pressesprecher gemacht (zum MT-Bericht). Nach Lage der Dinge war das im rechtlichen Sinne in Ordnung, denn der Personalrat war eingebunden und Bölling kann eine Stelle, die so einen strategischen Charakter ganz in ihrer organisatorischen Nähe hat, ohne Zustimmung der Politik besetzen. Allerdings stellte sie den Pressesprecher nicht explizit der Politik vor. Und schon kamen die Vorwürfe. Klar, darauf werden die SPD-Leute auf Kreisebene nur gewartet haben. Es ist beinahe die Uhr danach zu stellen, dass diese Angriffstaktik nun regelmäßig zum Tragen kommen wird. Bölling ist insofern nahezulegen, das bei jedem Schritt zu bedenken und Transparenz tatsächlich zu leben und auch in ihr strategisches Handeln auf der politischen Ebene einzubeziehen. Tut sie das nicht, wird sie schnell im hohen Gras stehen.

Persönlich bin ich besonders gespannt auf die Umsetzung des Transparenzversprechens in Sachen Mühlenkreiskliniken. Bisher ist es auch für uns Medienvertreter überaus schwer an Informationen aus dem MKK-Verwaltungsrat zu kommen, dessen Vorsitzende Bölling ist. Es mag Gründe geben, dass dieses Gremium nicht-öffentlich tagt. Beispielsweise, weil es oft um Personelles und Finanzielles geht, auch um Geschäftsgeheimnisse. Unverständlich ist allerdings, dass der Presse bisher sogar verweigert wurde, auch nur einen Blick in die Tagesordnung der Verwaltungsratssitzungen zu werfen. Ohne Wissen um die Themen ist es allerdings unmöglich, konkrete Fragen zu dem zu formulieren, was anliegt. Das ist für einen kommunal geführten Klinikverbund unsäglich und muss sich ändern. Andernfalls wäre das Transparenzversprechen der Landrätin erheblich weniger wert als von vielen erhofft.

Chefärztinnen? Äh, oh…

Am Montag war Frauentag und wir haben einen Blick auf die Situation von Frauen in der Verwaltung geworfen (zum MT-Artikel). Da fiel mir wieder ein, was mir schon öfter aufgefallen ist: Die Mühlenkreiskliniken haben keine einzige Chefärztin (zur Webseite der MKK). Pardon: eine am Krankenhaus in Lübbecke. Und am Mindener Klinikum gab es mal eine – aber die war recht schnell wieder weg. Insgesamt ist das ein auffälliger – und auch dürftiger – Befund. Er gilt übrigens weitaus nicht nur für die Mühlenkreiskliniken im Allgemeinen und das Mindener Klinikum im Besonderen, sondern für einen ganz erheblichen Teil der deutschen Krankenhauslandschaft. Frauen als Chefärztinnen sind auch im Jahr 2021 noch immer der absolute Ausnahmefall.

Zufall ist das selbstverständlich nicht. Bei aller Modernität der Medizin in einem Land, das eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat, sind die Strukturen, in denen medizinischer Fortschritt stattfindet, vielerorts verkrustet. Noch konkreter: patriarchal. Die Männerdominanz im Medizinischen ist kein Zufall, sondern ein System, das hinterfragt und aufgebrochen gehört. Es ist kaum zu ertragen, dass ein Bereich, zu dessen Wesen die stetige Weiterentwicklung gehört, in diesem Punkt feststeckt, als sei das Jahr 1950 gerade angebrochen. Da gäbe es einiges zu tun, aber ich sehe nicht so recht, dass dieses Thema strukturell und planvoll angegangen wird.

Natürlich sitzen in den Berufungskommissionen, die beispielsweise am Mindener Klinikum die Positionen der Chefärzte besetzen, auch Gleichstellungsbeauftragte. Nur: Was können die ausrichten, wenn veraltete Strukturen es Frauen beinahe verunmöglichen, Bewerbungen auf eine Chefärztin-Position überhaupt ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Wenn beispielsweise eine Teilzeitlösung für Chefärztinnen für unmöglich erklärt wird, bedeutet das ergo einen eigentlich vermeidbaren Ausschluss zahlreicher bestens qualifizierter Bewerberinnen. Dabei wären Teilzeitmodelle möglich, würde sich nur das Denken ändern, auf welche Weise eine Chefarzt-Position auszufüllen ist.

Nur ein Beispiel aus der MT-Redaktion: Nina Könemann ist unsere Stellvertretende Chefredakteurin und ich weiß nicht, ob sie die Stelle angetreten wäre, wenn der Verlag zur Bedingung gemacht hätte, dass sie von 80 auf 100 Prozent Stellenumfang hätte wechseln müssen. Aber ist es unmöglich, eine Führungsposition in Teilzeit auszufüllen? Aus eigener Anschauung kann ich sagen: nicht die Spur! Es ist einzig und allein eine Frage der Organisation und der Definition. Wer meint, zum Selbst- und Fremdbild einer Führungskraft gehöre es, Arbeitszeiten von 100 auf 160 Prozent auszuweiten und in erster Linie dadurch zeige sich, wer leite und wer nicht, hat sich erstens getäuscht und verbaut zweitens – vielleicht ohne es zu merken – Frauen jede Möglichkeit, eine Rolle auszufüllen, die sie bestens bekleiden könnten (und sollten).

Was in den nächsten Tagen wichtig wird

Alle Rettungsdiensteinsätze im Mühlenkreis sollen in Zukunft über eine einheitliche Software erfasst und dokumentiert werden. Die Verantwortlichen von Kreis und Kommunen sehen in dieser digitalen Lösung viele Vorteile.
 
Der Pavillon und das Werkstattgebäude des Leo-Sympher-Berufskollegs in Minden sind abgängig. Macht eine Sanierung Sinn? Oder ist ein Ersatzneubau die bessere Variante?
 
Wie bewaffnet sind die Menschen in Kreis Minden-Lübbecke? Daten der Kreispolizeibehörde geben Aufschluss darüber, wie viele Waffen im Kreisgebiet registriert sind und wie viele Menschen einen Waffenschein besitzen. Redakteurin Malina Reckordt wirft einen eingehenden Blick auf das Thema.
 
Die Geschichte von „dtH Tiemann“ begann 1960 in der heimischen Garage. Mittlerweile ist das Hiller Unternehmen ein etablierter Hersteller für Fenster und Türen und die Enkel des Firmengründers arbeiten in der Geschäftsführung. Wie arbeitet die Familie zusammen? Und wie bedeutend ist Hille als Gewerbestandort? Wir haben mit den Inhabern gesprochen.
 
Die Feuer- und Rettungswache der Stadt Porta Westfalica muss um- und ausgebaut werden. Das gestaltet sich komplexer als zunächst angenommen. Zudem ist das Alarmierungssystem veraltet. Im Zuge des Neubaus der Kreis-Leitstelle in Hille ist zur Vernetzung ein neues Wachalarmierungssystem notwendig. Das alte System verzeichnete ohnehin schon einige Ausfälle.
 
Rückepferde sind auch im Kreis Minden-Lübbecke wieder verstärkt im Einsatz. Die Tiere sind als umweltfreundliche Alternative zum Maschineneinsatz gefragt, auch wegen des Borkenkäferbefalls. Damit sich die Insekten nicht weiter ausbreiten, muss das befallene Holz abtransportiert werden – am besten bodenschonend. In Friedewalde haben wir die Rückepferde begleitet.
 
Der Mindener Unverpackt-Laden "Hüllenlos" wird bald auch auf Rädern unterwegs sein. Im Zuge der Corona-Pandemie haben die Betreiberinnen nach kreativen Lösungen gesucht - und einen alten Bäckerwagen gefunden. Dieser soll ab Ende Mai fertig hergerichtet und zusätzlich zum Geschäft in der Mindener Altstadt im Einsatz sein.

Bis nächste Woche
Ihr Benjamin Piel


Sollte bis dahin etwas sein, schreiben Sie mir gerne eine Mail an postvonpiel@mt.de
 

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