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Guten Tag <<Vorname (Optional)>> <<Nachname (Optional)>>,

die Debattenfähigkeit in Deutschland besorgt mich. Es ist eine Sorge, die ein Ereignis in dieser Woche wieder einmal beatmet hat. Einige meinen ja, man könne seine Meinung nicht mehr frei äußern. Das ist falsch. Vielleicht ist es aber auch nur eine ungenaue Formulierung für das tatsächlich vorhandene Problem: Unterschiedliche Meinungen nebeneinander stehen zu lassen, abzuwägen, sich ergebnisoffen auszutauschen, einander zuzuhören, gepflegt Argumente auszutauschen – auch und gerade bei sehr umstrittenen, polarisierenden Themen. Das ist in der Tat schwierig geworden, stellenweise, so scheint mir, bis an die Grenze der Unmöglichkeit heran. So, wie die Situation liegt, meine ich sogar: Wir haben da ein großes Problem.

Wohin Unversöhnlichkeit, Kontaktabbrüche und Debattenunfähigkeit führen, ist in den USA gerade traurig zu besichtigen. Nein, so weit sind wir in Deutschland nicht, aber die Vereinigten Staaten sind nicht nur in Mode und Technik weiterhin ein Trendsetter, sondern auch im Politischen. Was dort passiert, schwappt mit einiger Sicherheit auch zu uns herüber. Und die Tendenz ist ja auch in Deutschland schon klar zu erkennen – hin zur Polarisierung und Vertiefung der Gräben.

Am eigenen Leib erfahren habe ich das, nachdem ich mir in dieser Woche erlaubt hatte, die Bundesregierung in einem Kommentar zu kritisieren. Dafür erntete ich zahlreiche ablehnende Reaktionen. Das an sich ist nicht nur ok, sondern erwünscht. Ein Kommentar drückt nichts aus als die Meinung des Autors. Und selbstverständlich darf sich jeder mit seiner eigenen Meinung dagegen stellen, zustimmen oder wahlweise auch teilweise zustimmen oder teilweise ablehnen.

Immer häufiger kommt es allerdings dazu, dass der Kommentierende als Reaktion nicht nur eine gegenteilige Meinung zu hören bekommt, sondern eine Ablehnung in Bausch und Bogen. Beispielsweise landete ich bei einigen Menschen gleich in der Querdenker-Schublade. Das ist schade. Denn wer eine Maßnahme der Bundesregierung kritisiert, muss längst nicht der Meinung sein, dass die Corona-Maßnahmen insgesamt falsch sind. Im Gegenteil: Gerade dieses Thema bedarf der Differenzierung. Es muss möglich sein, bestimmte Verschärfungen zu kritisieren und gleichzeitig klarzumachen, dass Maßnahmen als solche notwendig sind. Wenn uns als Gesellschaft diese Differenzierung nicht gelingt (übrigens auch beim Dialog über andere polarisierende Themen wie beispielsweise Migration oder Klimaschutz), dann landen wir in einer Zwei-Fronten-Welt, in der sich Schwarz und Weiß unversöhnlich gegenüberstehen.

Es muss uns als Gesellschaft gelingen, eine Weite des Denkens und des Austauschs hinzubekommen. Wer die (aus meiner Sicht zu allgemein gefasste und deshalb fragwürdige) 15-Kilometer-Bewegungsgrenze in Gebieten mit 200er-Inzidenzwert ablehnt, kann trotz dieser Einschätzung sehr weit entfernt sein von der Gedankenwelt eines sogenannten Querdenkers. Ohne Differenzierung kommen wir inhaltlich nicht weiter. Mehr noch: Die fehlende Differenzierung ist brandgefährlich. Denn sie bewirkt, dass Menschen den Eindruck bekommen, man müsse sich für ein Lager entscheiden – dafür oder dagegen. So werden Menschen letztlich in die Arme von sogenannten Querdenkern, Ultrarechten und sonstigen Radikalen getrieben, die dort eigentlich gar nicht landen müssten. Und es kommt zu der Eingangs erwähnten (Fehl-)Annahme, man könne seine Meinung nicht mehr sagen.

Im genannten Kommentar hatte ich mich übrigens mit der erneuten Verschärfung der Corona-Maßnahmen beschäftigt, die mir an einigen Stellen zu weit gehen (zum Kommentar). Ein Auszug: „Bisher hat die Bevölkerung die Corona-Maßnahmen zum überwiegenden Teil geduldig mitgetragen. (…) Das droht sich zu ändern. Denn die Bundesregierung beginnt, den Bogen zu überspannen. (…) Ja, die Lage ist angespannt, das Gesundheitssystem ist belastet, Maßnahmen müssen sein. (…) Die Bewegungsbegrenzung (…) einzuschränken, ist (allerdings) ein Risiko (…) Niemand hat etwas davon, wenn die Menschen, die schon so viel geschultert haben, nicht bei der Stange bleiben. Je kürzer die Leine, desto größer der Freiheitsdrang. Wir alle sind auf gegenseitige Solidarität angewiesen. Das Beschlossene dürfte dazu nicht beigetragen haben.“

Als Reaktion bekam ich Nachtrichten wie diese: „Über ihren heutigen Artikel (…) bin ich einigermaßen erstaunt, um nicht zu sagen entsetzt. Sie stellen fest, dass ,Querulanten (…) zwar laut, aber in der Minderheit‘ waren, und dass sich das zu ändern droht. Dazu wollen Sie offensichtlich beitragen, wenn Sie feststellen, dass ,die Bundesregierung beginnt, den Bogen zu überspannen‘. Schade, dass Sie damit den Corona-Ignoranten und Verschwörungstheoretikern Munition liefern, die meinen, dass alles überzogen ist und eine Machenschaft der herrschenden Kaste. Im MT steht's schwarz auf weiß – Herrn Röckemann freut's! Wo bleibt Ihre Neutralität, Ihre Einsicht?“

Es war allerdings kein Artikel, sondern ein Kommentar. Also keine objektive Textform und auch nichts „Neutrales“. Nicht jeder, der eine Verschärfung kritisiert, will sogenannten Querdenkern in die Karten spielen (ganz im Gegenteil, siehe oben). Anstatt gleich komplett in diese Schublade gequetscht zu werden, wäre es doch auch möglich, eine andere Meinung ohne diese Zuschreibung zu äußern. Etwa: „Ihre Meinung zum Vorgehen der Bundesregierung teile ich nicht. Im Gegenteil: Es ist richtig, dass die Bundesregierung eine noch härtere Gangart einschlägt. Davon verspreche ich mir Sicherheit und ein Absinken der Infektionszahlen.“ Auf diese Weise könnte ein von Sachlichkeit getragener Austausch entstehen. Vielleicht ist das ja ein guter Vorsatz für das neue Jahr! Was meinen Sie?

Apropos, da wir erstmals im Jahr 2021 voneinander hören: Mögen Sie gut ins neue Jahr gekommen sein – und alles Gute für die vor uns liegenden zwölf Monate!

Was in den nächsten Tagen wichtig wird

Seit knapp einem Jahr nutzt die Kreispolizei sogenannte Bodycams. Das sind Kameras, die die Beamten deutlich sichtbar an ihrer Schutzweste tragen und die bei Bedarf das Umfeld aufzeichnen. Wie oft kommen die Kameras zum Einsatz? Und wie verhalten sich die Personen gegenüber den Polizisten? Die Polizei berichtet von den ersten Erfahrungen und zieht Bilanz.
 
Gelbe Tonne statt Gelbe Säcke: Wie hat der Wechsel funktioniert? Läuft beim Start alles reibungslos oder gibt es Probleme? Wir fragen beim zuständigen Entsorger Pre Zero nach.
 
Schon in seiner ersten Sitzung beschäftigt sich der neue Bauausschuss des Kreises mit einem Dauerthema der vergangenen Jahre: der Kampa-Halle. Dabei geht es nicht nur um die im Oktober grundsätzlich beschlossenen Sanierung, sondern auch um einen kurzfristigen Übergangsbetrieb, den Landrätin Anna Bölling (CDU) gegenüber dem MT bereits angedeutet hatte (zum MT-Artikel).
 
Nach dem Lockdown-Blues wollen die Leute spätestens im Sommer wieder richtig feiern. Doch von echter Planungssicherheit sind die Veranstalter noch weit entfernt. Schon Ende Oktober hat das Mindener Bürgerbataillon sich entschieden, das Freischießen auf August 2022 zu verschieben. Aber was ist mit den anderen großen Events des Sommers – wie Gourmetmeile oder Kranzreiten? Das MT hat sich umgehört.
 
Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) in Minden, die genossenschaftlich Gemüse anbaut, muss ihr Feld Ende des Jahres wegen Eigenbedarfs des Pächters aufgeben. Nun startet die Suche nach einem neuen Acker.
 
Aktuell läuft das Bewerbungsverfahren für das neue Hebammenstudium an der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken und der Fachhochschule Bielefeld. Wir schauen uns das mal an und in dem Zuge auch nochmal die Situation der Hebammen. Von denen fehlen im Gesundheitswesen offenbar einige.
 
Erstaunliche Nachrichten kommen aus dem Hofladen Korte in Petershagen-Jössen: Die Pandemie habe beim Geflügelabsatz nicht für Einbußen gesorgt. Es gebe bei der Kundschaft sogar den verstärkten Wunsch nach regionalen Fleischprodukten.
 
Die Petershagener Informationstage sind wegen Corona gestrichen. Eigentlich sollte die Veranstaltung an die Lahder Maile gekoppelt werden. Ob es die Maile geben wird, will der Gewerbeverein im Februar entscheiden. Der Vorsitzende zeigt sich pessimistisch.
 
Wirtin Lotti Sölter, die mehr als 40 Jahre den Lindenauer Krug in Neuenknick geleitet hat, ist mit 70 Jahren gestorben. Die Anteilnahme ist groß, ihre Stammkunden vermissen sie. Wie und ob es weitergeht mit der Gaststätte, ist noch unklar.
 
Friseurmeisterin Ina Grewe hat sich im vergangenen Jahr – mitten in der Pandemie – selbstständig gemacht. Mit ihrem eigenen Salon ist ihr größter Traum in Erfüllung gegangen. Doch jetzt hat der Lockdown ihr eine erzwungene Auszeit verpasst. Wie geht sie damit um?
 
Die Portaner Politiker müssen dringend über den Haushalt beraten und weitere wichtige Entscheidungen treffen. Doch können die Sitzungen während des verschärften Lockdowns überhaupt stattfinden? Wir fragen Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU), wie die politische Arbeit weitergehen kann.
 
Mit dem wahrscheinlichen Verkauf des ehemaligen Portaner Berghotels an den Christlichen Schulförderverein Minden endet die bemerkenswerte Hotelgeschichte in der Porta. Grund genug, einen Blick auf die Historie der dortigen Beherbergungsbetriebe zu werfen – mithilfe außergewöhnlicher Fotos.

Bis nächste Woche
Ihr Benjamin Piel


Sollte bis dahin etwas sein, schreiben Sie mir gerne eine Mail an postvonpiel@mt.de
 

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