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Guten Tag <<Vorname (Optional)>> <<Nachname (Optional)>>,

ich fürchte mein moralischer Kompass hat unter der Pandemie gelitten. Irgendwann nach dem Impfstart Ende Dezember und vor einer der letzten gefühlt immer sinnloser werdenden Ministerpräsidentenkonferenzen muss das passiert sein. Es irritiert mich ein Stück weit, denn eigentlich fühlte ich mich immer recht sattelfest in dem, was ich richtig oder falsch, moralisch vertretbar oder nicht, fand. Seit dieser Woche ist das anders.

Festmachen kann ich das konkret an zwei Dingen: Der spontanen Impfaktion über Ostern in Unterlübbe zu einem, und dem Hin und Her beim Thema Schulen und Kitas zum anderen. In beiden Fällen wäre ich zu Beginn der Pandemie noch relativ klar für oder gegen eine Sache gewesen, jetzt aber bin ich hin und hergerissen zwischen dem was moralisch sicher richtig wäre und dem, was mich emotional mehr berührt.

Punkt 1, die Osteraktion in Unterlübbe: Alles fing mit einem Kommentar des Kollegen Jürgen Langenkämper an, der am Karfreitag an seinem Oster-Wochenenddienst eigentlich nur nach Unterlübbe gefahren war, um ein Gerücht auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen. Von einem Freund hatte er erfahren, dass übrige Dosen von Astrazeneca dort unbürokratisch an Menschen über 60 verimpft würden. Er konnte es nicht glauben, fuhr hin und bekam ebenfalls eine der begehrten Impfungen.

Ich freute mich sehr für ihn, für seine Familie und auch für die Redaktion. Denn jeder der Kollegen, den wir „in Sicherheit“ wähnen können, ist eine Erleichterung für das gesamte Team. Es gab mir Aufwind und irgendwie Hoffnung: Seit Wochen steckte ich in diesem Corona-Sackgassen-Tief und plötzlich ging es unerwartet voran. Am Montag sah ich dann den Kommentar des Kollegen zum Thema im MT und mir schwante: Das wird Ärger geben. Das ist erstmal kein Problem, denn Kommentare sollen eine klare Meinung vertreten, anecken, für Reaktionen sorgen. Viele Ansichten der Kollegen teile ich nicht inhaltlich, aber Uneinigkeit ist eben Teil unserer Identität.

Zahlreiche Leser aber warfen uns Unsensibilität gegenüber denen vor, die seit Monaten vergeblich auf eine begehrte Impfung warten. Man könne doch nicht mit seinem Glück prahlen, während andere leer ausgingen, war der Tenor. Ebenso wie: Wenn nur die Dreisten zum Ziel kommen, sage das viel über eine Gesellschaft aus.

All diese Dinge kann ich außerordentlich gut nachvollziehen und sie fassten mich emotional an. Es stört mich nicht, wenn Menschen sich an unseren Ansichten reiben. Aber es macht etwas mit mir, wenn sie uns für unsensibel oder gar unkritisch halten. Wäre ich einer derer, die leer ausgegangen wären, würde ich sicherlich auch vor Enttäuschung toben. Ich wäre wütend angesichts der Ungerechtigkeit. Und es wäre auch mein gutes Recht.

Und so fand ich mich plötzlich in diesem Dilemma wieder zwischen dem, was ich als moralisch richtig empfinde und dem, was mir Hoffnung verschafft. Denn plötzlich gibt es Menschen in meinem Umfeld, die geimpft sind. Endlich geht mal etwas voran statt immer nur zu stagnieren. Endlich hat mal jemand in diesem Fall die Impfzentrums-Leiterin Anke Richter-Scheer und das Team dort eine Entscheidung getroffen und Kritik in Kauf genommen, um für Bewegung zu sorgen. Wenn ich mir die Kommentare auf MT.de angucke, dann scheint es mehreren Menschen so zu gehen. Irgendwie sind wir alle verzweifelt auf der Suche nach einem „Game-Changer“, etwas oder jemanden, der das Ruder herumreißt.
Punkt 2, das Drama mit den Schulen: Auf, zu, Fernunterricht, Wechselunterricht, Quarantäne, Testpflicht… Ich bin gerade heilfroh nicht Lehrerin zu sein und mitten im Chaos Kindern auch noch Mut und Bildung zukommen lassen soll. Auch hier weiß ich rein moralisch: Eigentlich müssten die Schulen und Kitas zu sein, denn dort verbreitet sich das Virus gerade schnell und unkontrolliert. Es würde Leben retten.

Rein emotional muss ich aber sagen: Wenn ich Jugendliche auf Spielplätzen herumlungern sehe, an die Abschlussklassen denke, die um ihre Feiern gebracht werden oder kleine Kinder beobachte, die gar nicht mehr richtig wissen, wie sie auf Gleichaltrige zugehen sollen, dann will ich, dass die Schulen aufbleiben. Damit sie eben nicht auf alles verzichten müssen. Viele Jugendliche verlieren gerade Jahre ihres Lebens und in ihrer Entwicklung, die sie nie wieder zurückbekommen. Und rein emotional finde ich: Auch das zerstört doch Leben, oder?

Umso mehr zermürbt mich auch das ständige Hin und Her beim Thema Schulen, das Politik, aber auch Lehrervertreter und Eltern gerade verursachen – und dabei sind meine Kinder noch nicht mal schulpflichtig. Das geht schon bei der Testpflicht los. Schulen sollen – zumindest teilweise – offen sein, wenn die Kinder sich zwei Mal in der Woche testen oder testen lassen. Ich könnte gerade aus der Haut fahren, wenn ich von Freundinnen höre, Drei-Viertel der Klasse würden den Corona-Test verweigern, weil die Eltern entweder keine Lust auf Quarantäne haben oder das Testen bei Kindern für unzumutbar halten.

Seit gestern hat mich auch über mehrere Wege eine Petition von Eltern erreicht, die der Meinung sind, die geplante Testpflicht stoppen zu müssen. Da frage ich mich: Was wollen denn eigentlich alle? Einerseits sollen die Schulen offen sein, damit die Kinder bildungstechnisch nicht völlig abgehängt werden. Das halte ich auch für mehr als notwendig. Mir ist es unerklärlich, warum es politisch möglich ist Firmen mit Milliarden in der Krise zu unterstützen, bei den Schulen aber seit Monaten kaum ein Konzept außer „Lüften“ zustande kommt. Bildung sollte unser höchstes Gut sein, im Moment ist es eher „irgendein Gut, um das wir uns auch noch kümmern müssen“. Wenn die Schulen dann aber auf sind, dann sollen die Kinder laut dem Willen einiger Eltern dort bitte von allem verschont werden, was irgendwie Corona ist.

Ja, ich hätte meinen Kindern die Pandemie auch gerne erspart, aber wir leben nun mal im Hier und Jetzt und nicht im Wünsch-Dir-Was. Meine Tochter geht derzeit einmal in der Woche zum Corona-Test. Ich habe es ihr erklärt und eine Apotheke gefunden, die einen Abstrich im Mund statt in der Nase macht. Den sogenannten Lollipop-Test findet die Vierjährige sogar ganz lustig – zumal es im Anschluss immer eine kleine Tüte Gummibärchen vom Apotheker gibt. Wenn wir das Prozedere künftig zwei Mal in der Woche machen sollen, tun wir auch das. Hauptsache die Kinder können wieder in die Kitas und Schulen und haben da Alltag.

Wenn aber Eltern sich sperren, die Politik alle zwei Wochen den Kurs ändert und dann auch noch alles als „unzumutbar“ gilt, werden wir niemals vorankommen. Und das ist moralisch wie emotional kaum zu ertragen.

Aber wie sehen Sie das? Schreiben Sie mir dazu gerne.

Was in den nächsten Tagen wichtig wird

Der Trend zu Bio-Produkten hält an. Verbraucher legen zunehmend Wert auf Regionalität und ökologische Produkte. Was heute gängiger Lebensstil ist, war in den achtziger Jahren noch die Ausnahme. Was hat sich seitdem verändert in der Biolandwirtschaft? Ulrike und Friedrich Kinkelbur bewirtschaften seit 1981 ihren Hof in Haddenhausen nach Richtlinien des Bioland-Verbandes. Nahrungsmittel im Einklang mit der Natur zu erzeugen – das sei jeden Euro und jeden Cent wert, sagen sie. Ein Besuch auf dem Biohof.

Bauholz ist im Moment ein knappes Gut. Das schlägt sich auch in den Preisen nieder, die gewaltig ansteigen. Holzhändler und Dachdecker sind alarmiert.

Neustart bei Null: Als der Mindener Vilayphone Saisanavongphet das Bewusstsein verlor, musste er sein Leben von vorne beginnen. 
Heute erscheint ihm jeder Tag wie ein neuer Wettkampf.

Das soziale Leben steht still. In Zeiten der Corona-Pandemie sehen sich viele konfrontiert mit Einsamkeit. Die Kontaktbeschränkungen bringen vor allem Singles an ihre Grenzen. Der Wunsch nach einer Partnerschaft ist offenbar größer denn je. Da ein „normales" Kennenlernen derzeit nicht möglich ist, erfreut sich Online-Dating immer größerer Beliebtheit – auch in Minden.

Der Betreiber des Restaurants Le Filou in Rothenuffeln hat große Pläne. Nils Röthemeier hat die Corona-Zeit genutzt, um ein Hotelprojekt voranzutreiben. Für das MT hat er schon einmal die Türen geöffnet und zeigt, was in unmittelbarer Nähe zum Restaurant Neues entsteht. 

Hans-Martin Polte war erleichtert, als er gegen Corona geimpft wurde. Wenige Tag später jedoch ging es ihm nicht so gut und er glaubte, dies liege an den Nebenwirkungen. Tatsächlich jedoch hatte sich der Hausberger mit dem Virus infiziert, vermutlich wenige Stunden nach der Impfung. Auch seine Ehefrau erkrankte. Beide durchlebten zwei harte Quarantänewochen.

Bis bald
Ihre Nina Könemann


Sollte bis dahin etwas sein, schreiben Sie mir gerne eine Mail an postvonpiel@mt.de
 

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