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ein Jahr Kontaktbeschränkungen hinterlassen ihre Spuren. Bei mir zumindest. Dauerhafte fehlende Interaktion zerstört Bindungen und belastet so manche Beziehung, an denen ich über die Jahre immer gern festgehalten habe. Das liegt auch an den ausschließlich schweren Themen, um die alles kreist – Impfen, das politische Handeln in der Krise, das ganz subjektive Empfinden von richtig und falsch – und plötzlich driften die Meinungen auseinander. Irgendwie verändern wir uns alle mit Corona. Ich bin gespannt, ob sich das wieder ändert, wenn die Krise irgendwann vorbei ist. 

In dieser Woche telefonierte ich mit einer Leserin, die ihre Zeitung gekündigt hatte. Wir waren in vielen Dingen nicht einer Meinung, aber es war ein gutes Gespräch. Und sie sagte eine Sache, die hängen geblieben ist und seitdem in mir arbeitet: „Wir im Freundeskreis denken fast alle gleich.“ Das sei schon immer so. Dann schwieg sie und schloss an: „Aber einer, der ist gerade nicht unserer Meinung, der sieht mir das alles viel zu eng. Und irgendwie entfernt man sich so voneinander, obwohl man immer gut befreundet war.“

Für mich bringt es das sehr gut auf den Punkt: Bei Corona ist es schwer, Kompromisse zu finden. Entweder bin ich für oder gegen das Impfen. Diejenigen, die die Maßnahmen übertrieben finden, verurteilen die, die sie am liebsten noch strenger haben wollen. Und weil es eben nicht um das Lieblingsessen oder ein Outfit, sondern um Essenzielles wie Freiheit, Tod und auch den eigenen Körper geht, stellt sich im Hinterkopf plötzlich die Frage: Sind wir wirklich noch Freunde, wo du doch so anders tickst als ich?

Corona hat mir viele Menschen näher gebracht, zu einigen habe ich weiterhin ein gutes, aber nur sporadisches Verhältnis. Von einigen höre ich gar nichts mehr. Und bei anderen habe ich den Eindruck, dass sie komplett abgetaucht sind. 

Mindens Bürgermeister Michael Jäcke ist so jemand. Für das Oberhaupt einer 80.000-Einwohner-Stadt ist er seit Monaten erstaunlich ruhig. Bittet man die Stadt um eine Einschätzung der aktuellen Situation, kommt diese, aber ohne auch nur einen Satz vom Bürgermeister dazu. Fragt man explizit nach einem Statement von Jäcke, so lässt er mitteilen, er habe nichts Aktuelles zu sagen (zum MT-Bericht). Zwei Videobotschaften postete er in diesem Jahr auf Facebook zur Corona-Lage, am Donnerstag äußerte er sich in einer Pressemitteilung kurz und am Rande. Ansonsten schwieg er meistens. Kreative Ideen, wie mit der Pandemie umzugehen sei, kamen stattdessen aus der Wirtschaft oder vom Kreis. Minden schloss sich dann an. Ob man vorher mitdiskutiert hatte, bleibt offen. Zwar sitzen ständige Mitglieder der Stadt im Krisenstab des Kreises, über die Inhalte spricht aber selten jemand von ihnen. Jäcke schon gar nicht.

Der Bürgermeister verhält sich, als habe er mit der Sache wenig zu tun. Dabei vergisst er, dass Minden die größte Stadt im Kreis ist. Seine Rolle ist exponierter als er sie wahrnimmt. Es wäre seine Aufgabe sie anzunehmen. 

Aber die Pandemie hat ihm das genommen, wofür die Menschen ihn schätzen: Das Nahbare. Jäcke, so hörte ich es früher überall in der Stadt, sei kein schlechter Kerl, einer von uns. Die Menschen mögen ihn, wenn sie ihn treffen. In der Krise aber reicht es als Bürgermeister nicht, ein netter Kerl zu sein. Schon gar nicht, wenn man diesen nirgendwo antreffen kann. Es hilft nicht, sich im Keller zu verkriechen und erst nach der Pandemie zurückzukehren. Denn womöglich kehrt das Amt, für das Jäcke sich vor der Krise entschieden hat, nicht wieder so zurück, wie er es kennt. Vielleicht braucht Minden künftig mehr einen Anführer als einen Kumpel. 

Sehen Sie das ähnlich oder finden Sie, ich tue dem Bürgermeister unrecht? Schreiben Sie mir dazu gerne.

Auch wir haben uns verändert

Übrigens: Ich hatte in dieser Woche auch Kontakt zu mehreren Lesern, die uns Vorwürfe machten. Wir seien nicht mehr ihr „kleines MT“ sagten sie, wir hätten uns verändert. Und auch wenn ich ihre Ansicht, wir seien panikmachend und betrieben Effekthascherei, naturgemäß nicht teile, so sehe auch ich: Ja, auch wir als MT haben uns verändert: Inhaltlich und auch als Team. Dafür gibt es erklärbare Gründe. Zu einem finden viele Dinge, über die wir sonst berichtet haben, bereits seit Monaten nicht mehr statt: Sport, Festivals, Kultur - all das liegt brach. Und es nimmt die Leichtigkeit. Immer wieder höre ich: Ihr berichtet ja gar nicht mehr über die schönen Sachen. Das stimmt so nicht. Wir haben in den vergangenen Monaten auch viel über Hoffnungsträger und ihre Ideen geschrieben. Viele „schöne Sachen“ verlagern sich gerade aber auch sehr ins Private. Und darüber berichten wir dann eben nicht. 

Gleichzeitig nehmen wir auch ein sehr hohes Informationsbedürfnis der Menschen wahr: Corona verunsichert, die zahlreichen und ständig wechselnden Maßnahmen drumherum noch mehr. Wir haben uns also noch viel stärker als bisher darauf ausgerichtet, unseren Lesern nicht nur zu erklären, was passiert, sondern auch, warum das so ist. Das macht die Zeitung zum einen nachrichtlicher, zum anderen aber eben auch hintergründiger. 

Einige dieser schönen Dinge werden nach der Pandemie sicherlich zurückkehren, andere Veränderungen bei uns in der redaktionellen Ausrichtung werden bleiben. Ich finde daran nicht Schlechtes: Die Welt verändert sich und damit der Anspruch an Nachrichten. 

Was in den nächsten Tagen wichtig wird

Nach der Razzia der Heimaufsicht des Kreises in der Seniorenresidenz Weserbergland in Hausberge ist der Kreis noch immer damit beschäftigt, die Mängelliste aufzuarbeiten. Bei erneuten Kontrollen Anfang dieser Woche sind schon wieder Mängel entdeckt worden. Wie es für die Einrichtung jetzt weitergehen kann, ist noch offen. Das MT hat den Fall zum Anlass genommen, um mit Patientenschützern zu sprechen. Woran erkennt man ein gutes Pflegeheim? Wo erfahre ich, wie Behörden die Heime bewerten? Und wie entdecken potenzielle Neu-Bewohner schon vorab Mängel in der Pflege? Für das MT haben die Patientenschützer ihre Checkliste bereitgestellt.
 
Ein beleuchteter Garten kann wunderschön sein – allerdings ist er das nur für den Menschen, denn für Tiere und Pflanzen ist Dauerbeleuchtung anstrengend und tödlich. Welche Folgen eine zu starke Beleuchtung haben kann, erklärt Agraringenieurin Sabine Raskopf von der Biologischen Station.
 
Schweigen oder nicht? Beim Verdacht auf Kindesmisshandlung müssen Ärzte gut abwägen, ob sie diesen melden oder sich darüber mit Kollegen austauschen. Ein Gesetz könnte Letzteres erleichtern. Eine Medizinerin berichtet von der Gratwanderung.

Zehn Jahre lang hatte Kutenhausen keinen Ortsheimatpfleger. Nun übernimmt 
Heike Hergert die Aufgabe, die den Wandel ihres Heimatdorfes von klein auf miterlebt hat.

Nach einer Delle im vergangenen Jahr sieht sich Ornamin langfristig auf einem guten Kurs. 
Seit Dezember ist dabei auch die nächste Generation mit an Bord.

Zweites Gutachten für Wolfschluchtweg: Zuletzt ist es etwas ruhiger geworden um den gesperrten Wolfschluchtweg. Doch im Hintergrund laufen die Gespräche und Sondierungen weiter. Auf Bitten des Petitionsausschusses des Landtages, der sich den gesperrten Weg im vergangenen Jahr angeschaut hat, soll nun ein zweites Gutachten erstellt. Das soll die sogenannten Mega-Gefahren durch nicht standsichere Bäume neu bewerten. Ausgang: ungewiss. Dazu gesellt sich eine Reihe von Unstimmigkeiten und offenen Fragen.

Nach den Baumfällaktionen an Kreisradwegen 2018/2019 und der damaligen Kritik durch die Umweltverbände scheint das Thema nicht ausgestanden. Diesmal am Radweg in Südfelde. Radler Alfred Dotschkal spricht von Kahlschlag, der Kreis verteidigt die Pflegemaßnahme. Was steckt dahinter?

Immer mal wieder kommt es vor, dass in Hille Giftköder ausgelegt werden, die für Tiere sehr gefährlich sein können. Wir haben einen aktuellen Fall zum Anlass genommen und mit Hundebesitzern, einem Tierarzt und der Polizei gesprochen.

Schöne Ostern
Ihre Nina Könemann


Sollte bis dahin etwas sein, schreiben Sie mir gerne eine Mail an postvonpiel@mt.de
 

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