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Ada-Lovelace-Projekt Newsletter 01/2018

Editorial 

​Liebe Leserinnen und Leser, liebe Projektfreunde, liebe MINTeressierten,

20 Jahre Ada-Lovelace-Projekt, 20 Jahre Einsatz für „Mehr Mädchen in MINT“ – dieses Großereignis feierten wir mit dem Runden Geburtstag im letzten Jahr. Doch auch heute ist unsere Aufgabe, Nachwuchs - und ganz besonders Frauen - in MINT zu fördern, aktuell und wichtig wie nie; erst vor wenigen Tagen belegte eine Studie, dass es in Ländern mit einer hohen Geschlechtergerechtigkeit nicht automatisch mehr Frauen in MINT-Fächer zieht. Im Gegenteil, gerade dort wenden sich Frauen oft klassischen Berufsfeldern zu. Das hat jedoch nichts mit mangelnden Fähigkeiten zu tun, sondern damit, dass sie im Vergleich zu ärmeren Ländern nicht gezwungen sind, in Sicherheit und hohes Einkommen versprechende MINT-Berufsfelder zu gehen und sich durch mögliche Widerstände zu kämpfen. Bis die Berufswahl von Mädchen und Jungs tatsächlich "klischeefrei" abläuft - so auch der Name einer bundesweiten Initiative, der wir uns angeschlossen haben - braucht es noch Zeit und Umdenken in den Köpfen. Doch wir sind zuversichtlich; Frauenministerin Anne Spiegel und Bildungsministerin Stefanie Hubig unterstützten die "Klischeefrei"-Initiative kürzlich ebenfalls öffentlich; sie setzen auf das Ada-Lovelace-Projekt und seine Role Models.

Wir schauen in diesem 8-wöchig erscheinenden Newsletter darauf, was sich gesellschaftlich zum Thema "Frauen und MINT" tut; wir verfolgen die Laufbahnen unserer ehemaligen Mentorinnen und stellen unsere Angebote, Partner, und Zukunftspläne vor. Ein weiteres Großereignis steht 2018 bevor: Die Weiterentwicklung des Ada-Lovelace-Projekt vom rheinland-pfälzischen Mentoring-Netzwerk in das Rheinland-Pfälzische Kompetenzzentrum für Frauen in MINT – eine logische Konsequenz aus 20-jähriger Ansammlung von Erfahrung, Expertise, MINT-Kompetenz. Auf diesem Weg möchten wir Sie gerne mitnehmen.

 
Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl,
Wissenschaftliche Leiterin des ALP
Viel Spaß beim Lesen!

1. Aktuelles


Finale der "Mission to Mars" am Standort Koblenz
Roberta-Schulung und Schulbesuche am Standort Trier
"Dem Fach ist dein Geschlecht egal." Interview mit Clelia Albrecht, Gewinnerin des Ada-Lovelace-Preises 2018
 

2. Wer wir sind und was wir machen


Mentoring für Migrantinnen an der Universität Trier und der TU Kaiserslautern
 

3. Partner News


Initiative Klischeefrei: Schirmherrin Elke Büdenbender ermutigt zum Umdenken
"Komm, mach MINT.": Netzwerk feiert zehnjähriges Jubiläum
"Komm, mach MINT.": kostenfreie MINT-Fotodatenbank
 

4. MINT News


Aufruf zum Girls'Day 2018
Jetzt neu: Jugendwettbewerb Informatik
Studie: Rollenvorbilder entscheidend für die Berufsorientierung junger Mädchen
"Was ich will, das kann ich!": die richtige Einstellung für die Mathematik?
 

1. Aktuelles

Finale der Mission to Mars

Für Elektronik und Technik haben sie sich schon länger interessiert, nun konnten die Schülerinnen Kayra und Marie im „Mission to Mars“ Workshop des Ada-Lovelace-Projekts sogar mit Robotern ins All fliegen. In wöchentlichen Treffen am Campus Koblenz brachten die Mentorinnen den Schülerinnen das Programmieren bei, die daraufhin mit den Robertas zu einer erfolgreichen Mission ins All aufbrachen. Mit ihrem neu erworbenen Wissen konnten sie den Robotern beibringen, Gesteinsproben zu entnehmen, einen Satelliten auszurichten oder eine Rakete abzuschießen.

Bei der Abschlussveranstaltung der Veranstaltungsreihe präsentierten die Mädchen vor ihren Familien, was sie gelernt hatten. „Am besten war es, wenn es geklappt hat“, berichten Kyra und Marie. „Manchmal hat Roberta aber auch einfach das gemacht, was sie wollte und nicht das, was wir wollten. Trotzdem hatten wir viel Spaß“. Selbst wenn es manchmal nicht so schnell klappt wie gedacht, heißt es für die Schülerinnen am Ende doch: Was ich will, das kann ich!

Das Roberta-Konzept ist eine Initiative des Fraunhofer Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme und zielt darauf, Kinder für MINT zu begeistern. An vielen Projektstandorten kommen die Robertas zum Einsatz – die Universität in Koblenz ist seit 2003 RobertaRegio Zentrum.

Roberta-Schulung und Schulbesuche am Standort Trier

Ende Januar erhielten Trierer Mentorinnen unter der Leitung von Mentorin und Roberta-Coach Kerstin Luck ein spannendes und umfassendes Training mit der RoboterdameRoberta "Roberta". Die Trierer Mentorinnen erweckten den Lego Mindstorms Roboter zum Leben und programmierten ihn, im Quadrat zu fahren oder einer schwarzen Linie auf dem Boden mit seinem Farbsensor zu folgen. Bereits zertifizierte Roberta-Scouts ließen Roberta die Grüne Stadt erkunden, in der sie Aufgaben im Bereich erneuerbarer Energien löst, darunter die Aktivierung einer Windkraftanlage und das Schließen eines Staudamms.

Die Mentorinnen lernten außerdem geschlechterspezifische Aspekte zum Umgang mit Roberta und entwickelten Kurskonzepte zu verschiedenen Themen, die demnächst mit wissbegierigen Schülerinnen praktisch durchgeführt werden können.  

„Warum studierst du eigentlich Mathematik?“

Am 24. und 31. Januar besuchten Mentorinnen des Standorts das Thomas-Morus Gymnasium Daun und das Max-Planck Gymnasium Trier mit dem Ziel, Schülerinnen bei ihrer Berufsorientierung zu unterstützen. In praktischen Workshops lernten die Mädchen u.a. die MINT-Studiengänge Umweltbiowissenschaften, Geoinformatik, Lebensmitteltechnik und Computerlinguistik kennen.

Sie konnten Vogelgesänge und Käferarten bestim-men, bewerteten Trierer Sehenswürdigkeiten mit Hilfe von Social Media und lernten Grundlagen der Kryptographie und Baustoffkunde. Ein ausgewogenes Programm, das den Schülerinnen durchweg großen Spaß brachte. Abschließend blieb außerdem noch Zeit für Fragen. Besonders interessiert waren die Schülerinnen an den Beweggründen der Studentinnen ihr Studienfach zu wählen und am Ablauf des Uni-Alltags. Außerdem erhofften sie sich Hilfe für die Wahl ihrer Leistungskurse, bei der die Mentorinnen gerne aus ihrer eigenen Erfahrung berichteten.

"Dem Fach ist dein Geschlecht egal.", ein Interview mit Clelia Albrecht, Gewinnerin des Ada-Lovelace-Preises 2018

Seit 2010 zeichnet das Institut für Numerische Simulation an der Universität Bonn jährlich seine besten Nachwuchswissenschaftlerinnen mit dem Ada-Lovelace-Preis aus. Die diesjährige Preisträgerin ist die 26-jährige ursprüngliche Kölnerin Clelia Albrecht, die mit ihrer Masterarbeit zum Thema Level-Set Methoden überzeugen konnte.

Ganz simpel erklärt geht es dabei um eine effiziente Computersimulation von Grenzflächen zwischen Flüssigkeiten und/oder Gasen. Ein sehr wichtiger Prozess beispielsweise für die Verfahrenstechnik, die möglichst genaue Vorhersagen der Lage und Gestalt solcher Grenzflächen benötigt. 

Im Interview spricht Clelia mit uns über ihren Weg zum Mathematik-Studium, ihre Erfahrungen als MINT-Frau und ihre Zukunftspläne.  
 
Was wusstest Du über Ada Lovelace, bevor Du "ihren" Preis gewonnen hast?
Dass sie eine britische Mathematikerin war und die erste Programmiererin (bzw. der erste programmierende Mensch) der Welt! Wenn man sich mit Programmieren beschäftigt, begegnet man ihrem Namen ja zum Glück früher oder später. Seit ich den Preis gewonnen habe, habe ich aber auch eine Biografie gelesen, um noch mehr über sie zu erfahren - wie zum Beispiel, dass es ihre Mutter war, die ihre mathematische Ausbildung ermöglicht hat, und dass sie ihr Programm für eine Maschine geschrieben hat, die noch nicht einmal gebaut worden war.

Wie bist Du zur Mathematik gekommen?
Ich mochte viele Fächer in der Schule, Mathematik war eins davon. Als ich meinem damaligen Mathematiklehrer sagte, dass ich überlege, das Fach als Leistungskurs zu belegen, traute er mir das nicht zu - da müsse man "viel logisch denken". Da dachte ich dann "Ok, jetzt erst recht!" und der Mathe-Leistungskurs hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Währenddessen habe ich außerdem "Warum gerade Mathematik?" von Ian Stewart gelesen und mich deshalb (nachdem ich die Bewerbungsfristen für alle anderen Studienfächer, die mich interessiert haben, verpasst hatte) dazu entschieden, es mal mit Mathematik zu versuchen. Und dann hat es so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.

Hattest Du während Deines Studiums eine Mentorin oder einen Mentor oder andere Unterstützung, z.B. durch Eltern oder Freund*innen?
Ja, auf jeden Fall! Das Mathematikstudium ist (zumindest in Bonn) so aufgebaut, dass man schon früh viel Kontakt zu Professor*innen und Dozent*innen hat, die einem gerne fachlich weiterhelfen, genau wie man sich viel mit Kommiliton*innen austauscht, die dann auch schnell zu sehr guten Freund*innen werden.

Auf nicht-fachlicher Seite hat sich außerdem mein Chef bei meiner Stelle als Studentische Hilfskraft in der Öffentlichkeitsarbeit der Mathematik der Universität Bonn viel für mich eingesetzt und mich ermuntert, immer am Ball zu bleiben, genau wie meine Eltern und meine Familie. 

Was ist Deine persönliche Erfahrung als Frau in einem MINT-Fach?
Grundsätzlich sind meine persönlichen Erfahrungen als Mathematikstudentin durchaus positiv. Es ist aber vorgekommen, dass Einzelne dazu neigen, mich und meine weiblichen Kommilitonen schneller zu unterschätzen, oder uns unterstellen, wir hätten zu viel Hilfe von (natürlich männlichen) Kommilitonen bekommen, ganz so, als wären wir alleine nicht dazu in der Lage, gute Ergebnisse zu erzielen. Das sind aber erstens wirklich Einzelfälle und zweitens fürchte ich, dass einem so etwas überall begegnen kann, unabhängig vom Fach.

Mir persönlich gibt es Hoffnung, dass die meisten meiner männlichen Kommilitonen diese Art von Verhalten selbst völlig inakzeptabel finden und dass viele Menschen im Universitätsbetrieb in dem Bezug sensibilisiert sind. Ich habe außerdem sehr viele sehr positive Erfahrungen gemacht, vor allem der Zusammenhalt zwischen meinen Kommilitoninnen hat mich häufig aufgebaut und gestärkt. Dass es Anerkennungen wie den Ada-Lovelace-Preis gibt, ist natürlich auch sehr schön. Und wenn man mal nicht so schöne Erfahrungen macht, immer daran denken: dem Fach selbst ist das Geschlecht egal.

Wie selbstverständlich sind Frauen in deinem Umfeld in MINT-Berufen und was müsste sich aus Deiner Sicht noch bewegen?
Ich kenne zwar viele Frauen in MINT-Berufen, aber es gibt immer noch deutlich mehr Männer, auch in meinem Umfeld. Schon im Studium waren wir Frauen in der Unterzahl. Die Frauen, die da sind, werden aber - von den oben genannten Einzelfällen abgesehen - ganz "normal" behandelt, zumindest soweit ich das bisher beurteilen kann. Es ist zumindest nicht mehr so, dass man als Frau konstant um einen Platz im MINT-Bereich kämpfen muss, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Trotzdem spricht der niedrige Frauenanteil natürlich dafür, dass noch nicht genug passiert ist. Meiner Meinung nach sollte vor allem in der Gesellschaft mit den Vorurteilen aufgeräumt werden, dass manche Fächer für ein bestimmtes Geschlecht besser geeignet sind als andere. Diese Vorurteile ändern sich sowieso mit der Mode (in den Anfangstagen des Programmierens wurde dies zum Beispiel häufig eher als "Frauenarbeit" angesehen, weil es mit einer Schreibmaschinentastatur zu tun hat) und halten leider viel zu oft junge Menschen davon ab, ein Fach zu studieren oder einen Beruf zu ergreifen. 

Wo geht es für Dich beruflich hin?
Ich bin seit Mai 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer Institut für Algorithmen und wissenschaftliches Rechnen SCAI und forsche hier in der Abteilung "Numerische Software | Meshless Multiscale Methods" an effizienten gitterfreien Lösern für partielle Differential-gleichungen, insbesondere der Schrödingergleichung unter Bloch-periodischen Randbedin-gungen. Wenn alles nach Plan geht, werde ich darüber auch promovieren. Es bleibt also spannend und mathematisch für mich!

2. Wer wir sind und was wir machen

Mentoring für Migrantinnen an der Universität Trier und der Technischen Universität Kaiserslautern

Im letzten Jahr starteten an der Universität Trier und der Technischen Universität Kaiserslautern Mentoring-Programme speziell für Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Im Interview sprechen Vera Lorenz, die das Migrantinnen-Angebot am Standort Trier betreut, und Makbule Engelhardt, Projektleiterin in Kaiserslautern, über die Angebote, ihre Resonanz und ihre Wünschen für die Zukunft der Projekte. 


In Trier wird in Kooperation mit dem Ada-Lovelace-Projekt ein Mentoring für Schülerinnen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung angeboten, das besonders auf das Zusammen-bringen der Mädchen und gemeinsame Erlebnisse zielt. Finanziert wird das Projekt vom rheinland-pfälzischen  Ministerium  für  Familie,  Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz.

Wie sieht das Angebot für geflüchtete Frauen in der Praxis konkret aus?
Vera Lorenz: Von Dezember 2017 bis März 2018 trifft sich eine kleine Gruppe von Schülerinnen der 5.-8. Klassenstufen jeden Freitagnachmittag nach der Schule und wird von zwei Lehramtsstudentinnen betreut. Durch pädagogische Trainings und durch die Erfahrungen aus ihrem Lehramtsstudium sind die Studentinnen optimal auf die Tätigkeit als Mentorin vorbereitet, erhalten aber durch das Projekt wiederum die Chance wertvolle Praxiserfahrung für ihren späteren Beruf zu sammeln.

Die Schülerinnen probieren sich an spannenden Mitmachangeboten wie der Leonardobrücke aus, Löten, basteln leuchtende Grußkarten, programmieren Roberta, lernen den Algorithmus hinter einem Zauberwürfel kennen oder beschäftigen sich mit Recycling und Nachhaltigkeit. Sie begleiten das Projekt mit einem Lerntagebuch, in dem sie ihre Erlebnisse festhalten und Erfahrungen reflektieren. Ein weiterer wichtiger Baustein des Projekts sind die gemeinsamen Gruppenausflüge (z.B. gemeinsames Kochen, Stadtführung, Museumsbesuch, Bowling). Die Ausflüge sollen die Gruppe enger zusammenschweißen und den Schülerinnen die Umgebung und Kultur vor Ort näher bringen.

Welche Ziele verfolgt ihr damit?
Wir möchten, dass die Mädchen ihr Recht auf Bildung verwirklichen können und haben uns zum Ziel gesetzt, das eigenverantwortliche Lernen und die soziale Integration der Schülerinnen zu fördern. Wir möchten ihnen mit dem Projekt Gelegenheit bieten, in einem geschützten Rahmen zusammenzukommen, unter sich zu sein und miteinander Spaß zu haben und Neues zu entdecken.

Mentoring bietet die Möglichkeit, auf individuelle Bildungsverläufe Einfluss zu nehmen und besondere Fähigkeiten der Teilnehmenden bewusst und sichtbar zu machen. Mit der Förderung möchten wir nicht nur bewirken, dass sie sich frühzeitig mit ihren Fähigkeiten und ihrem eigenen Bildungsweg auseinandersetzen können, sondern dass sie durch die Teilhabe auch ihren Selbstwert und ihr Selbstvertrauen stärken sowie Freund-schaften aufbauen können, die im besten Fall das Projekt überdauern.

In Trier wird vielfältige Unterstützung für Migrant*innen und Geflüchtete geboten: Beratungsangebote für Erwachsene rund um das Thema Beruf, Sprachförderung und Sportangebote für Kinder, Betreuungsangebote für Kleinkinder oder Unterstützungsangebote für geflüchtete Studierende etc. Wir wollten mit einem Mentoring‐Angebot speziell nur für Mädchen das bestehende Angebot vor Ort um eine neuwertige Maßnahme optimal ergänzen.

Wie ist die Resonanz? Was wünschst du dir für die Zukunft?
Die Resonanz ist leider nicht so groß wie erhofft. Obwohl wir intensiv für das Projekt geworben haben und die Schulen der Region das Angebot mit Interesse aufgenommen haben, kam nur eine kleine Gruppe von Schülerinnen zusammen.

Umso mehr freut uns, dass die Schülerinnen, die teilnehmen, mit Freude, Interesse und Spaß dabei sind und sich immer mehr und mehr öffnen. Teilweise haben sie trotz ihres jungen Alters schon klare Vorstellungen davon, wo sie einmal beruflich hinwollen. So möchte eines der Mädchen später Architektur studieren und fragt die Mentorinnen gerne mal über das Universitätsleben aus. Von einer ehrenamtlichen Betreuerin der Flüchtlings-familie wissen wir, dass das Mädchen außer zur Schule kaum aus ihrem Zuhause rauskommt. Mit ihren älteren Brüdern könne das Mädchen nichts unternehmen und es wirke sehr schüchtern und fast abwesend. Im Projekt taut sie regelrecht auf und die Mentorinnen stellen fest, dass sie ein großes Interesse an für Mathematik zeigt. Genau solche „nachhaltigen“ Entwicklungen würde ich mir für die Zukunft wünschen. 
 


      Makbule Engelhardt

Im Rahmen des Projekts „ComMINT - Neue Chance für Mädchen aus Flüchtlingsfamilien“ an der TU Kaiserslautern arbeiten Projektleiterin Makbule Engelhardt und ihre Mentorinnen in Kooperation mit dem Projekt „Zauberhaft Physik mit Sprach- und Sachkisten“ von Maren Heinzerling, um in praktischen Workshops das Lesenlernen mit dem Wecken physikalischer Interessen und der Förderung feinmotorischer Fähigkeiten zu verbinden.





Wie sieht das Angebot für geflüchtete Frauen in der Praxis konkret aus? 
Makbule Engelhardt: In der Praxis arbeiten die Mädchen in Zweiergruppen, lesen zu zweit eine Anleitung und bauen ein Experiment zusammen, wobei ein Kind jeder Zweiergruppe möglichst über einige Deutschkenntnisse verfügen sollte. Die Mentorinnen  gehen von Tisch zu Tisch, helfen bei Problemen und sind immer wieder erstaunt, wie gewitzt sich die kleinen Leseteams durch die Texte kämpfen, wie viel Freude es ihnen macht, wenn ihr Experiment funktioniert.

Durch die Erfolgserlebnisse in den Workshops wird auch das Selbstbewusstsein der Mädchen gestärkt. Ein funktionierendes Experiment bedeutet Erfolg, Erfolg beim Erlernen der deutschen Sprache. Die Ergebnisse aus den Workshops können die Mädchen mit nach Hause nehmen und den Tag in Erinnerung behalten.

Welche Ziele verfolgt ihr damit? 
Ziel ist es, den Schülerinnen aus Flüchtlingsfamilien neue Chancen und Perspektiven im deutschen Bildungssystem aufzeigen und ihnen einen Einblick in die Studien- und Berufswelt zu geben. Mithilfe der Sprach- und Sachkisten soll das Interesse der Mädchen an Naturwissenschaft und Technik geweckt und gleichzeitig die Sprachkenntnisse in Deutsch verbessert werden. Mentorinnen treten in den Workshops als Vorbilder auf und machen den Schülerinnen aus Flüchtlingsfamilien Mut, ihren Weg zu gehen. Das Selbstbewusstsein der Schülerinnen soll außerdem gestärkt werden. Sie sollen erleben, dass sie hier in Deutschland akzeptiert und willkommen sind.
 
Wie ist die Resonanz? Wünschst du dir für die Zukunft? 
Die Resonanz seitens der Teilnehmerinnen im Projekt ist durchweg positiv. Auch die betreuenden LehrerIn-nen der Kooperationsschulen, sowie die Kontakt-partner aus Flüchtlingsunterkünften, sind über das neue Projektangebot erfreut und nutzen es stark.

Das Projekt ComMINT ist noch in den Kinder-schuhen. Es wurden erste Erfahrungen gesammelt und neue Kontakte aufgebaut. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Pilotprojekt, welches durch die Finanzierung des  Ministeriums für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz gestartet ist, weitergefördert wird. Denn nur durch nachhaltige Angebote wird den Schülerinnen geholfen. Der Bedarf ist sehr groß und wird in den kommenden Jahren noch weiter wachsen.

3. Partner News

Initiative Klischeefrei: Schirmherrin Elke Büdenbender ermutigt Gesellschaft und Wirtschaft zu einem Umdenken

Die Initiative Klischeefrei ist unserer jüngster Kooperationspartner, mit dem wir seit dem letzten Jahr zusammenarbeiten. Sie macht sich stark für eine Berufsorientierung frei von Geschlechterklischees und Rollenbildern. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die Initiative eng mit allen im Berufs-wahlprozess Beteiligten zusammen, also von Eltern über ErzieherInnen und Berufsberatungen bis hin zu Schulen, Hochschulen und Unternehmen.

Im Interview mit der Redaktion der Initiative, spricht Schirmherrin Elke Büdenbender über die Schirmherrschaft, ihre eigene Berufs-orientierung und Zukunftsperspektiven für selbstbestimmte Berufs- und Studienwahl junger Menschen frei von Klischees. Das vollständige Interview finden Sie hier

„Komm, mach MINT.“: Netzwerk feiert zehnjähriges Jubiläum 

Wir gratulieren unserem langjährigen Kooperationspartner "Komm, mach MINT." zum Jubiläum! Vor zehn Jahren nahm der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung seine Arbeit auf. Mit dem Ziel ein starkes, breitgefächertes Netzwerk aufzubauen, das innovative Maßnahmen entwickelt, um junge Frauen für MINT-Studiengänge und -Berufe zu begeistern. 

Ein Ziel, das sicherlich bereits erreicht wurde. Das Netzwerk ist von ursprünglich 46 auf 252 Partner angewachsen. Und ein Blick auf die aktuellen Studentinnenzahlen beweist, das die Arbeit Früchte trägt. Die Zahl der MINT-Studienanfängerinnen ist von 2008 bis 2016 um fast 90% gewachsen. Besonders bemerkenswert wenn man bedenkt, dass die allgemei-ne Studienanfängerinnen-Zahl um "nur" 61% gestiegen ist. 

Wir freuen uns auf weitere Jahre der Zusammenarbeit mit "Komm, mach MINT." und weitere Erfolge für Frauen in MINT!

"Komm, mach MINT.": kostenfreie Fotos für die Bewerbung von MINT-Angeboten

Wer für MINT begeistern will, braucht gute, aussagekräftige Fotos. "Komm, mach MINT." stellt zu diesem Zweck eine Bilddatenbank bereit, die eine breite Auswahl an praxisnahen Fotos von jungen Frauen und Mädchen in naturwissenschaftlich-technischen Zusammenhängen bietet. Die Fotos können kostenfrei für Flyer, Poster, Websites oder MINT-Veranstaltungen verwendet werden. 

4. MINT News

Aufruf zum Girls'Day 2018

Am 26. April 2018 ist wieder Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag! Deutschlandweit laden Betriebe, Unternehmen und Organisationen junge Mächen dazu ein, MINT-Berufe auszuprobieren. 

Das Konzept hat Erfolg: 40 Prozent der Mädchen möchten in dem am Girls'Day kennengelernten Beruf ein Praktikum machen oder eine Ausbildung beginnen. Rund ein Drittel der Unternehmen, die mehrfach am Girls'Day aktiv waren, haben Bewerbungen von ehemaligen Teilnehmerinnen erhalten.

Auch das Ada-Lovelace-Projekt bietet seit Jahren im Rahmen des Girls'Day besondere Workshops an. Hier finden Sie weitere Informationen dazu, wie Sie sich als Unternehmen oder Schule am Girls'Day beteiligen können! Seien Sie dabei, wenn Mädchen ihre Talente entdecken! 

Jetzt neu: Jugendwettbewerb Informatik

Zum ersten Mal findet in diesem Jahr der Jugendwettbewerb Informatik statt, der sich insbesondere an Schüler*innen richtet, die über keine oder wenige Programmierkenntnisse verfügen, aber gerne erste Erfahrungen sammeln möchten. Das bausteinorientierte Konzept soll helfen, die Grundlagen des Programmierens kennen zu lernen, ohne eine bestimmte Sprache lernen zu müssen. 

Der Wettbewerb findet in der Woche vom 26. Februar bis 2. März statt, die Teilnahme erfolgt online. Interessierte können sich auf dieser Webseite zum Wettbewerb anmelden. Wer einfach nur mal reinschnuppern will ins Programmieren, findet auf der Webseite außerdem einen Probewettbewerb mit spannenden Übungsaufgaben. 

Studie: Mentoring und Rollenvorbilder sind entscheidend für die Berufsorientierung junger Mädchen

Eine in Kürze erscheinende von Microsoft durchgeführte Studie zeigt ganz klar: junge Mädchen haben Interesse an MINT und können sich eine Karriere in technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen vorstellen, mit zunehmendem Alter nimmt dieses Interesse aber plötzlich rapide ab. Woran liegt das? Insgesamt 11.500 Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 11 und 30 Jahren wurden in zwölf europäischen Ländern zum Thema MINT befragt. Während für fast 40% der Mädchen mit 11 Jahren eine Karriere in MINT noch gut vorstellbar war, sinkt das Interesse ab 16 Jahren plötzlich stark ab.

Die Studie identifiziert hierfür vier Auslöser: Mangel an weiblichen Vorbildern, fehlende Praxiserfahrung sowie fehlende Kenntnisse über mögliche reale Anwendungsgebiete der MINT-Fächer und Angst vor Ungleichbehandlung. Genau an diesen Problemstellungen setzen Mentoring-Projekte wie das Ada-Lovelace-Projekt an und sind deshalb so wichtig für die Entwicklung junger Mädchen. So wünschten sich die Studienteilnehmerinnen beispielsweise, dass Wissenschaftler*innen ihren Arbeitsalltag bei Schulbesuchen vorstellen und so greifbar machen, was eine Karriere in ihrem Feld bedeutet. Eine Strategie, die wir mit unseren Workshops, die MINT-Studentinnen und -Azubinen und Schülerinnen zusammenbringen, seit Jahren erfolgreich verfolgen.

Doch nicht nur Mentoring-Projekte sind gefragt jungen Mädchen Vorbilder und echte Einblicke in MINT zu geben, sondern auch die Industrie: Schnupperausbildungen, Tage der offenen Tür oder praktische Workshops, so wie einige Unternehmen sie bereits anbieten, können helfen, Mädchen die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. Damit in Zukunft in keiner Studie mehr etwa ein Viertel der Mädchen angibt, dass sie nicht glauben, in MINT jemals so gut wie ein Junge sein zu können. 

"Was ich will, das kann ich!": die richtige Einstellung für die Mathematik?

"Mit so einer negativen Einstellung kommst du natürlich nicht weiter.", so etwas oder ähnliche Tips haben bestimmt viele von uns in der Schule gehört, wenn die Zahlen und Formeln auf dem Blatt mal wieder keinen Sinn ergeben wollten. Das könnte aber tatsächlich der richtige Ratschlag für Mathe-Muffel sein, wie eine im Januar erschienene Studie eines Forscher-Teams der Standford University zeigt. 

Mit 240 Kindern im Schulalter wurde getestet, wie sich eine positive Einstellung gegenüber der Mathematik auf das Lösen von mathematischen Problemstellungen auswirkt und wie sie die beteiligten neurokognitiven Prozesse beeinflusst. Und tatsächlich: die Kinder, die die Aufgaben mit Spaß angingen, erzielten bessere Ergebnisse, benutzten bessere Lernstrategien und wiesen eine erhöhte Aktivität im Hippocampus auf. 

Für die Zukunft also merken: statt "Ich kann das nicht!" öfter denken "Was ich will, das kann ich!". Das hilft nicht nur bei mathematischen Problemen!

5. Ausblick

21. März

26. bis 29. März

21. April
21. April

26. April
28. April

28. April
"AB In die Zukunft - Duales Studium und mehr", Informationstag für SchülerInnen der gymnasialen Oberstufe in Westerburg, Link
Mädchen- und Techniktage an der Universität Koblenz

"Nacht, die Wissen schafft" an der TU Kaiserslautern, Link
Workshop "Abenteuer Stromkreislauf" im Rahmen der Kinder-Uni Trier, Link
Girls' Day
Exkursion zur Messe women&work in Frankfurt/Main für Studentinnen, Absolventinnen und Beschäftigte der Universität Trier, Link
Workshop "Roberta" im Rahmen der Kinder-Uni Trier, Link

MINT Fakt des Monats

Ein Film über abnehmende Biodiversität in Deutschland,
produziert von der Agentur edeos für den BUND Baden-Württemberg
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Das Ada-Lovelace-Projekt wird vom Europäischen Sozialfonds sowie dem rheinland-pfälzischen Frauenministerium und dem Wissenschaftsministerium gefördert.
Der Newsletter wird herausgegeben von: 
Ada-Lovelace-Projekt · Zentrale Koordinierungsstelle · Universität Koblenz-Landau
Universitätsstraße 1 · 56070 Koblenz

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