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Liebe Freunde der Pünktlichkeit,


Sie / Ihr habt vor einiger Zeit angegeben, an Neuigkeiten bei puenktlichkeit.ch interessiert zu sein. Heute sende ich den fünften Newsletter.

Verspätungsprognosen: ein Experiment

Pünktlichkeitsdaten des öV können auf vielfältige Weise analysiert und visualisiert werden. Das ermöglicht interessante Erkenntnisse über die Vergangenheit. Aber ist auch ein Blick in die Zukunft möglich?

Mit puenktlichkeit.ch unternehme ich einen Versuch: 1x pro Minute wird die aktuelle Lage im Zugsverkehr analysiert und mit den Daten der letzten 400 Tage verglichen. Auf dieser Basis werden Verspätungsprognosen für die kommenden 60 Minuten erstellt. Die Ergebnisse können auf Web Site und Smartphone live verfolgt und mit den offiziellen Prognosen der Bahnunternehmen verglichen werden.



Das Verfahren ist grundsätzlich schweizweit einsetzbar. Aus Ressourcengründen ist es zunächst auf Ankunftsprognosen für den Bahnhof Bern beschränkt. Ich plane, eine Erprobung auch in anderen Gegenden durchzuführen. Anregungen nehme ich gern entgegen.

Wie funktioniert es?

Ein Beispiel: Die S-Bahn nach Langnau hat bei der Abfahrt in Worb bereits 7 Minuten Verspätung. Das ist in der Vergangenheit schon häufiger vorgekommen und hat stets dazu geführt, dass der Gegenzug die Kreuzung abwarten musste und in Bern mit mindestens 2 Minuten Verspätung eingetroffen ist. puenktlichkeit.ch erkennt dieses Muster und wendet es auf die aktuelle Situation an. Daraus kann nicht nur eine Prognose für die Ankunft in Bern abgeleitet werden (22:19 Uhr statt 22:17 Uhr), sondern diese wird auch begründet:

Und wie gut funktioniert es?

Das Verfahren unterliegt einigen Einschränkungen:
  • Die aktuelle Betriebslage wird von den Bahnunternehmen nicht sekundengenau, sondern auf ganze Minuten gerundet publiziert. Dies reduziert die Prognosegenauigkeit.
  • Betriebslage-Daten werden nur bei einem Halt publiziert. Über einen fahrenden Zug erhält puenktlichkeit.ch keine Meldungen - und kann daher die Prognose auch nicht nachführen.
  • Es liegen nur Daten zum Personenverkehr vor. Daher kann z.B. eine Behinderung durch einen vorausfahrenden Güterzug nicht berücksichtigt werden.
  • Auch andere wichtige Einflussfaktoren sind unbekannt: Einschränkungen auf der Strecke, das eingesetzte Rollmaterial, Umleitungen etc.
  • Das Verfahren benötigt Erfahrungswerte der Vergangenheit. Für eine Konstellation, die erstmals oder nur selten auftritt (z.B. eine Extrafahrt), kann keine Prognose ermittelt werden.
Lassen sich trotz dieser Einschränkungen brauchbare Ergebnisse erzielen?

Die Prognosen von puenktlichkeit.ch werden seit dem 17. Januar 2018 als Live-Experiment durchgeführt: Alle errechneten Prognosen werden gespeichert und später mit den tatsächlichen, sekundengenauen Ankunftszeiten verglichen, die am Folgetag von den Bahnunternehmen publiziert werden. Prognosen, die weniger als 60 Sekunden vom tatsächlichen Wert abweichen, werden als korrekt angesehen. Bei nicht korrekten Prognosen wird unterschieden zwischen Überschätzung und Unterschätzung. Mit den Prognosen der Bahnunternehmen wird ebenso verfahren. Diese Messungen zur Prognosequalität können auf der Website analysiert werden:



Wie die Grafik zeigt, liefert puenktlichkeit.ch im Zeitraum 5-30 min vor Ankunft eines Zuges oft bessere Prognosen als die Bahnunternehmen. Es muss jedoch auch festgestellt werden, dass dies nicht auf allen Linien gleich gut funktioniert.

Pünktlichkeit in den S-Bahn-Netzen

Es ist Januar - und so darf ein Jahresrückblick in diesem Newsletter nicht fehlen. Interessant ist ein Blick auf Verspätungen in verschiedenen Schweizer S-Bahn-Netzen. Vorab dies: im internationalen Vergleich ist die Pünktlichkeit überall sehr hoch. Zugleich gibt es beachtliche Unterschiede zwischen den Regionen, wie die folgende Abbildung zeigt:


Hinweis: In Bern sind nur die Linien der BLS berücksichtigt und in Basel nur das Schweizer Gebiet, da mir Daten zum RBS und zu ausländischen Haltestellen leider nicht vorliegen.

Der pünktlichste S-Bahn-Abschnitt im vergangenen Jahr war übrigens jener von Ebnat-Kappel nach Wattwil (THURBO): hier waren nur 5 von über 6500 Zügen mehr als 5 Minuten verspätet.
Das Schlusslicht bildete die Fahrt von Gampelen nach Zihlbrücke (BLS): dort erfolgten über 60% aller Ankünfte mit mehr als 5 Minuten Verspätung auf den publizierten Fahrplan. Das Problem dort wurde inzwischen etwas gemildert: Der Fahrplan wurde im Dezember um 1 Minute an die tatsächlichen Gegebenheiten angenähert.
Herzliche Grüsse

Andreas Gutweniger
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Kontakt:
puenktlichkeit.ch
Andreas Gutweniger
Friedhagweg 32
Bremgarten bei Bern 3047
Switzerland

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